Ch. Kupros Master Mariner               Ch. Rocheby Royal Oak


LABRADOR RETRIEVER


Gruppe 8. Apportierhunde, Stöberhunde, Wasserhunde
Sektion 1. Apportierhunde
FCI - Nr. 122



Erste Aufzeichnungen, in denen Labrador erwähnt wird, finden sich in dem Schiffsbericht von „Merrygold“ wieder und werden mit 1593 datiert. Hier wird beschrieben, dass die Schiffscrew auf der Fahrt in der Region der Cabot Trail (Cabot-Strasse) „Eingeborene mit ihren schwarzen Hunden“ gesehen hat. Diese Hunde waren etwas kleiner als Windhunde, unterschieden sich von den bisher gesehenen Hunden der Indianer vom Festland und werden in der Ansprache stets als „schwarz“ beschrieben.

Dieser schwarze Hund von Neufundland ist der Urtyp für den modernen Labrador, Neufundländer, Landseer und ein Paar andere Hunderassen. Farley Mouet, kanadischer Schriftsteller und Biologe schreibt in seinem Buch „Die Tragödien des Meeres“, dass man diesen Urtyp bis in die 50-er Jahre des 20. Jhr. in einigen abgelegenen Häfen der Neufundlandküste antreffen konnte, wo er für gewöhnlich als „Taucher“ bzw. „Wasserhund“ bezeichnet wurde.

Die genaue Entwicklung der Hunderasse Labrador ist bis heute im Detail nicht geklärt. Es bekannt, dass die ersten dieser Hunde von der Ostküste Kanadas, der Insel Neufundland, nach England verschifft wurden und deswegen zunächst als Neufundländer bzw. St. John Hunde bezeichnet wurden (im Ehren der Herkunftsinsel und deren Hauptstadt).

Dr. Michael Woods, Inhaber einer Hundezucht in Kanada (Zwinger „Waterdog“), führte interessante Untersuchungen zur Entwicklung der Labrador Rasse durch. Darin vertritt er die Annahme, dass bei der Formierung der Hunderasse auf Neufundland Hunde der Wikinger, die um 1000 n. Chr. Diese Insel erreichten und die Hunde der Basken, die auf der Halbinsel Labrador von 1500 bis 1700 lebten, beteiligt waren. Das Besondere, was die Europäer, die das erste mal die Neufundländer gesehen haben, beeindruckte, war ihre gewillte Einstellung zu arbeiten und zwar auf Land und Wasser bei jedem Wetter und die ausgeprägte Liebe zu Wasser.

Auf der Halbinsel Labrador wurden zwei Hundetypen unterschieden: „der große Neufundländer“ – ein Hund mit langem Fell, großgewachsen und schwer, wurde von den Einheimischen für Holztransporte verwendet. Sowie der „kleine Neufundländer“, der einen leichteren Hundetyp mit recht kurzem, wasserabweisendem Fell darstellte, mittlere Größe aufwies, erstaunlich geschickt und aktiv im Verhalten war, über ein stark ausgeprägten Spürsinn verfügte und eine große Liebe dem Wasser gegenüber zeigte.
Alle heutigen Labradore können auf den Buccleugh Avon (*1885) zurückgeführt werden.


                                        Buccleugh Avon, *1885

Am 7. Juli 1903 wurde der Labrador vom englischen Kennel Club als eigene Hunderasse anerkannt.

Labradore kommen heute, als Rasse, in drei Farben vor: schwarz, schoko-braun und blond (gelb). Ursprünglich wurden nur Hunde mit schwarzem Fell als Labrador anerkannt. Die ersten gelben Welpen wurden in der Zucht von Major Charles Radclyffe im Jahre 1899 bekommen. Dabei waren die Eltern sowie alle bekannten Vorfahren dieser Welpen schwarz. Der Rüde bekam den Namen Ben of Hyde und wurde der erste gelbe Labrador, der in England registriert wurde. Dieser wurde außerdem Basishund für die Zwinger, die ein Interesse für die Färbung zeigten.


                                            Ben of Hyde, *1899

Der braune („chocolate/schokoladenfarbene“) Labrador konnte schon zuvor vorkommen, als Zuchtfarbe anerkannt wurde er erst durch den von Mrs. Pauling gezüchteten Ch. Cookridge Tango von 1961, Sohn von Tweed of Blaircourt (*1958) und Cookridge Gay Princess (*1956), der 1964 als Labrador anerkannt wurde.

Ab Mitte der 1960er Jahre erfolgte eine deutliche Trennung in Linien der Arbeits- (Jagdhunde) und Schauhunde. Dabei ist der Unterschied dieser beider Linien so offensichtlich, dass es manchmal schier unglaublich wirkt, dass die beiden der selben Hunderasse angehören. Die Arbeitslinie werden nie mit den Schaulinie gekreuzt. Leben dieser Hunde verläuft auf dem Feld oder Championchips und sie haben eigene Feld-Champions (Field Trail Champions – F.T.Ch.), die nicht mit dem Schauhund-Champions verwechselt werden sollten. Die Arbeitshunde haben einen leichteren Knochenbau, sind trockener und leichter. Schauhunde haben ein ganz anderes Äußeres. Das sind kräftige Hunde mit sehr massigem Knochenbau, einem tiefen voluminösen Brustkorb und großen kräftigen Kopf.

Die Klassifizierung der Schaulinie der Labradore seit 1945 nach Edwards (1995):


1. Der alte Typus der schwarzen Labradore
Die Labradore von diesem Typus, der in den 1920er und 1930er verbreitet war, waren überwiegend Arbeitshunde bzw. für die Zucht wurden Hunde mit ausgeprägten Arbeitsqualitäten bevorzugt. Deswegen wiesen diese Hunde einen recht leichten Knochenbau auf und waren den heutigen Arbeitslinien sehr ähnlich.
Typische Vertreter: Ch. Sandylands Ben, Ch. Sandylands Blackberry, Ch. Holton Baron.


                                    Ch. Holton Baron, *1951

2. Der klassische Typus der schwarzen Labradore
Die Labradore des klassischen schwarzen Typs sind kompakter und harmonischer als die Hunde des vorhergehenden Typs. Die besten Vertreter von diesem Typus sind: Ch. Sandylands Tweed of Blaircourt, Ch. Follytower Merrybrook Black Stormer, Ch. Lawnwoods Hot Chocolate.

  
                Sandylands Tweed of Blaircourt, *1958                              Ch. Follytower Merrybrook Black Stormer, *1969

3. Der schwere Typus der schwarzen Labradore
Die Entwicklung und Dominanz von diesem Typ in den 1960er bis in die 1980er hinein, wird mit dem Namen des Rüden Ch. Sandylands Mark (*1965) und seinen Nachkommen verbunden. Die besten Vertreter von diesem Typus sind: Ch. Ballyduff Marketer, Ch. Fabracken Comedy Star, Ch. Keysun Teko of Blondella, Sh. Ch. Lasgarn Ludovic.

 
                        Sandylands Mark, *1965                                              Ch. Ballyduff Marketer, *1971                                    Ch. Keysun Krispin of Blondella, *1979

4. Der moderne Typus der schwarzen Labradore
Der moderne Typus nimmt seinen Anfang beim Charway Ballywillwill und trat in Erscheinung Anfang der 1980er. Dieser Typus entwickelt sich in der Fortführung der Linie von Lindall Mastercraft, seinem Sohn Kupros Master Mariner und seinem Enkel Rocheby Royal Marine

    
          Ch. Charway Ballywillwill, *1978                 Ch. Lindall Mastercraft, *1980                  Ch.  Kupros Master Mariner, *1983           Ch. Rocheby Royal Marine, *1993


LABRADOR RETRIEVER

FCI - Standard Nr. 122 / 29. 01. 1999 / D

ÜBERSETZUNG : Uwe H.Fischer.

URSPRUNG : Großbritannien.

DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN ORIGINAL- STANDARDES : 24. 06. 1987.

VERWENDUNG : Apportierhund.

KLASSIFIKATION FCI:
Gruppe 8 Apportierhunde, Stöberhunde,
Wasserhunde.
Sektion 1 Apportierhunde.
Mit Arbeitsprüfung.

ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD : Kräftig gebaut, kurz in der Lendenpartie, sehr rege; breiter Oberkopf; Brust und Rippenkorb tief und gut gewölbt; breit und stark in Lende und Hinterhand.

VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN) : Ausgeglichen, sehr aufgeweckt. Vorzügliche Nase, weiches Maul; begeisternde Wasser-freudigkeit. Anpassungsfähiger, hingebungsvoller Begleiter. Intelligent, eifrig und willig, mit grossem Bedürfnis seinem Besitzer Freude zu bereiten. Von freundlichem Naturell, mit keinerlei Anzeichen von Aggressivität oder deutlicher Scheue.

KOPF

OBERKOPF :
Schädel : Breit, gut modelliert ohne fleischige Backen.
Stop : Deutlich ausgeprägt.

GESICHTSSCHÄDEL :
Nasenschwamm : Breit, gut ausgebildete Nasenlöcher.
Fang : Kraftvoll, nicht spitz.
Kiefer / Zähne : Kiefer von mittlerer Länge; Kiefer und Zähne kräftig mit einem perfekten, regelmässigen und vollständigen Scherengebiss, wobei die obere Schneidezahnreihe ohne Zwischenraum über die untere greift und die Zähne senkrecht im Kiefer stehen.
Augen : Mittelgross, dabei Intelligenz und gutes Wesen zeigend, braun oder haselnussfarben.
Ohren : Nicht gross oder schwer, dicht am Kopf anliegend, hoch und ziemlich weit hinten angesetzt.

HALS : Trocken, stark, kraftvoll, in gut gelagerte Schultern übergehend.

KÖRPER :
Rücken : Obere Linie gerade.
Lendenpartie : Breit, kurz und kräftig.
Brust : Von guter Breite und Tiefe, stark gewölbter, « fassförmiger » Rippenkorb.

RUTE : Kennzeichnendes Merkmal, sehr dick am Ansatz, sich allmählich zur Rutenspitze verjüngend, mittellang, ohne Befederung, jedoch rundherum stark mit kurzem, dickem und dichtem Fell bedeckt, damit in der Erscheinung « rund », dies wird mit « Otterrute» umschrieben. Kann fröhlich, sollte jedoch nicht gebogen über dem Rücken getragen werden.

GLIEDMASSEN

VORDERHAND : Vorderläufe mit kräftigen Knochen und vom Ellenbogen zum Boden gerade, sowohl von vorne als auch von der Seite betrachtet.
Schultern : Schulterblätter lang, schrägliegend.

HINTERHAND : Gut ausgebildet, zur Rute hin nicht abfallend.
Kniegelenke : Gut gewinkelt.
Sprunggelenke : Tiefstehend. Kuhhessigkeit im höchsten Masse unerwünscht.

PFOTEN : Rund, kompakt; gut aufgeknöchelt und mit gut ausgebildeten Ballen.

GANGWERK : Frei, raumgreifend, dabei in Vor- und Hinterhand gerade und parallel.

HAARKLEID

HAAR : Kennzeichnendes Merkmal, kurz, dicht, nicht wellig, ohne Befederung, fühlt sich ziemlich hart an; wetterbeständige Unterwolle.

FARBE : Einfarbig schwarz, gelb oder leber/schokoladenbraun. Gelb reicht von hellcreme bis fuchsrot. Ein kleiner weisser Brustfleck ist statthaft.

GRÖSSE:
Ideale Widerristhöhe: Rüden 56-57 cm, Hündinnen 54-56 cm.

FEHLER : Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte und dessen Einfluss hinsichtlich Gesundheit und Wohlbefinden des Hundes.

Hunde, die deutlich physische Abnormalitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen, müssen disqualifiziert werden.


N.B. : Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.